Tao
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Ich vergeude keine Zeit im Widerstand. Ich gehe einfach mit der Gesamtsituation, als wenn ich mit dem Ganzen tanzen würde. Ich bleibe im Einklang, halte den Schritt und komme nicht aus dem Takt. Ich reite auf der existentiellen Welle und mir eröffnen sich unerwartete Gelegenheiten. Wenn ich mich von dieser Welle des Hier und Jetzt tragen lassen kann, kann sie mich weiter bringen, als ich mir vorstellen kann.
Ganz alleine kann ich nicht sehr weit gehen. Zusammen mit allem, was mich hier und jetzt umgibt, wird viel Energie erzeugt, und die Energie steigt immer höher, je mehr Menschen in Einklang mit der Gesamtsituation sind. Das ist dann nicht bloß die Gesamtheit aller Teile, es ist mehr als eine Addition. Je mehr Menschen im Einklang sind, desto mehr eröffnet sich ihnen das Tao.

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Bei der Geburt ist es schmerzlich für das Kind, aus dem Bauch der Mutter herauszukommen, weil es auf dem Weg nach außen immer enger wird, bis es sehr eng ist und das Kind sich ganz zusammengedrückt fühlt. Es hat im Mutterschoß gelebt, da hatte es reichlich Platz, und nun muss es durch einen sehr engen Tunnel durch. Das ist sicherlich schmerzhaft, aber das ist nichts im Vergleich zu der Seele, die in den Mutterschoß eingeht, wenn die Frau schwanger geworden ist. Denn die Zelle, in die die Seele sich hineinquetscht, ist so winzig klein, dass sie mit bloßen Augen gar nicht zu sehen ist, und es muss die Hölle sein, sich da hineinzudrängen.
Das ist die wirkliche Hölle.
Deswegen haben schon Mystiker zu allen Zeiten danach geforscht, wie sie es vermeiden könnten, jemals wieder in einen Mutterschoß hineingezogen zu werden. Sie hatten herausgefunden, was für ein Elend es ist, wenn die Seele in die Eizelle eintritt.


Eine wirkliche Kommune braucht eine Synchronizität zwischen Männern und Frauen. Dann kann sie das Verlangen nach Wachstum erwecken, den Drang, sich und die anderen zu entdecken und zu erforschen. Keiner Frau würde es einfallen, eine Kommune zu gründen. Der Mann gründet Kommunen, weil er an dem interessiert ist, was noch in weiter Ferne liegt, aber kein Mann kann im Hier und Jetzt Wurzeln schlagen.
Und das ist bisher das Problem gewesen: Die Frau sorgt für die Verwurzelung, aber sie interessiert sich nicht für das Erblühen. Dem Mann geht es um die Blüten, aber er kümmert sich nicht um die Wurzeln.
Es geht also um eine Synchronizität, um eine Harmonie zwischen Frau und Mann.


Genauso, wie es ein körperliches Wohlgefühl gibt, gibt es auch ein Wohlgefühl des ganzen Wesens. In diesem Wohlgefühl ist Freude und Lachen enthalten. Ernsthaftigkeit ist das Symptom einer kranken Seele.
Also muss ich den Priestern aller Religionen sagen: Ihr habt keine Zukunft mehr. Ihr habt schon zu lange gelebt. Ihr seid wie ein Stein auf dem Herzen der Menschheit. Ihr habt den Menschen nicht erlaubt, zu leben. Ihr wart tot und konntet es einfach nicht ertragen, dass irgend ein anderer glücklich war. Weil ihr nicht glücklich sein konntet, machtet ihr jeden anderen auch ernst, erhobt ihr Ernsthaftigkeit zu einem spirituellen Wert. Aber eigentlich ist Ernsthaftigkeit einfach nur krank.


Der Sinn des Lebens ist ein Phänomen, wie der Duft einer Blüte. Ich kann ihn nicht greifen, aber er ist da, ob ich ihn erfassen kann oder nicht, ob ich ihn verstehen kann oder nicht, er ist trotzdem da!
Wie kann ich Musik definieren? Wenn ich sie analysiere, mache ich sie kaputt. Dann ist Musik bloß ein Arrangement von Tönen, mehr nicht. Dann ist Musik bloß Lärm, der so arrangiert wird, dass er nicht mehr als Lärm wahrgenommen wird. Bloß ein beruhigender oder sanfter Lärm. Und das ist alles? Musik ist mehr als die Noten, mehr als das Gesamtergebnis der Töne.
Und so kann ich weiterfragen... was ist dann Poesie? Bloß eine bestimmte Zusammenstellung von Wörtern? Ist es nicht. Poesie ist etwas, was sich in einer ganz bestimmten Zusammenstellung von Wörtern ereignet, aber sie ist mehr als diese bestimmte Zusammenstellung von Wörtern. Es ist nicht die Grammatik, es ist nicht die Sprache -- es ist etwas, das darüber hinausgeht. Poesie wird durch die Worte hervorgerufen. Die Worte werden benutzt, um der Poesie eine Gelegenheit zu geben, sich zu ereignen.
Und genau das ist das Geheimnis der Musik. Die Instrumente werden benutzt, die Noten werden verwendet, die Töne werden gespielt für diese Stille, in der sich Musik ereignen kann. Zwischen zwei Tönen ist Musik, zwischen zwei Worten ist Poesie, zwischen zwei Zeilen liegt der ganze Sinn. Die Bedeutung ist nie in der Zeile, sondern immer zwischen den Zeilen. Und ich muss lernen, diese Intervalle, diese Lücken zu lesen.


 

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